25/10/2012

Tunesien: Salafisten gegen Frauenrechte

Emission transmise sur la chaîne allemande NDR.de avec mon interview

 

"Veränderungen brauchen Zeit"

Djemâa Chraïti ist eine tunesische Schriftstellerin und Bloggerin. Ihr Vater war Gewerkschafter und wurde im Januar 1963 in Tunesien zum Tode verurteilt. Daraufhin musste die Familie das Land verlassen. Heute lebt Chraïti in Genf und hilft Jugendlichen bei der beruflichen Eingliederung. 2011 hat sie den Preis "Femme exilée, femme engagée" erhalten. Die Weltbilder haben mit ihr über die Situation der Frauen in Tunesien gesprochen.

Hat der arabische Frühling die Situation der Frauen in Tunesien verändert?

Djemâa Chraïti: Durch die Revolution wurde die Situation der Frauen grundlegend erschüttert. Nachdem die Ennahda, eine islamische Partei, bei den ersten Wahlen an die Macht kam, fürchteten die Frauen, wieder an den Herd zurückgeschickt unter die Vormundschaft der Männer gestellt zu werden. In den Straßen wuchs der Druck auf unverschleierte Frauen, Künstler wurden misshandelt, an den Stränden wurden Frauen in Badeanzügen beleidigt und beschimpft.

Wie groß ist die Möglichkeit, dass die Frauen letztendlich die Verliererinnen der Revolution von vor zwei Jahren sein könnten?

Chraïti: Der Vorfall mit der jungen Frau, die von Polizisten vergewaltigt wurde, hat es vielen ermöglicht, sich schnell zu organisieren und die Vergewaltigung und wie mit ihr umgegangen wurde zu verurteilen. In vielen tunesischen Städten, in Europa und Kanada haben Solidaritätsbekundungen gezeigt, dass Grenzen überschritten worden sind. Intellektuelle, Künstler und feministische Gruppen haben sich zusammen geschlossen, um die Freiheiten zu verteidigen, die durch diesen schockierenden Vorfall in Frage gestellt wurden. Die vergewaltigte Frau wurde außerdem zur perfekten Schuldigen. Präsident Marzouki hat unter dem nationalen und internationalen Druck Stellung bezogen und die junge Frau im Namen des Staates um Entschuldigung gebeten. 
Bei diesem Vorfall haben die Frauen gewonnen. Niemand in Tunesien kann sich daran erinnern, dass je eine Vergewaltigung so in der Öffentlichkeit ausgebreitet worden wäre, um die Vergewaltiger zu denunzieren, die außerdem noch Polizisten waren. Die Revolution und die große Solidarität mit der jungen Frau haben damit das Tabu der Vergewaltigung enthüllt. 
Frauengruppen und Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Rechte von Frauen in Tunesien einsetzen, betonen, dass die Stimmung im Land sehr angespannt sei, seit die islamische Partei am 23. Oktober 2011 an die Macht kam. Vor allem durch sexuelle Belästigung und Einschüchterung seitens der Polizei.

Müssen Frauen, die sich in Tunesien für die Rechte von Frauen einsetzen, Unterdrückung durch die Regierung und ihre Beamten befürchten?

Chraïti: Die sozialen Netzwerke in Tunesien sind sehr aktiv. Nach der Revolution haben die jungen Leute begriffen, dass diese eine gefürchtete Waffe sein können. Es wird wohl keine offene Unterdrückung geben, aber heimtückische Einschüchterung. Viele Organisationen stehen Gewehr bei Fuß. Jedes Element von Freiheit muss mit allen Mitteln verteidigt werden. Die Frauen werden nicht mehr auf ihre Autonomie verzichten und sich nicht unter eine der Vergangenheit angehörenden moralischen Ordnung zwingen lassen. Die Zivilgesellschaft versteht sich als Garant, die Interessen der Frauen zu verteidigen. Die Frauen hatten ein Ziel vor Augen, nun geht es darum, es umzusetzen. Sogar die islamischen Parteien haben begriffen, dass sie davon nicht mehr abrücken werden.

Worin liegen die größten Gefahren für die demokratische Entwicklung in Tunesien und wie optimistisch schauen Sie in die Zukunft?

Kurz nach der Revolution sind salafistische Gruppen aufgetaucht, die sich ohne Umschweife aggressiv gegenüber Frauen gezeigt haben. Aber es scheint so auszusehen, als ob die Regierung begriffen habe, dass sie die Augen gegenüber den Ausschreitungen dieser Gaunerbanden nicht länger verschließen kann. Es gab Razzien bei diesen Gruppen und Festnahmen. Selbst die islamische Partei Ennahda versteht, dass ihr radikalster Rand nicht akzeptiert wird und er sie bei der Mehrheit der Tunesier diskreditiert.
Ich bleibe daher optimistisch. Revolution mit klaren Forderungen: mehr Arbeit und mehr Gerechtigkeit. Bisher ist dabei kaum etwas erreicht worden. Die Arbeitslosigkeit ist nur noch größer geworden. Die Zivilgesellschaft weiß, dass sie auf ein vielfältiges und solidarisches Tunesien setzen muss und nicht auf ein Land, das sich in Konservative und Modernisten teilt. Die post-revolutionäre Arbeit muss nun wirklich beginnen und organisiert werden. Eine Revolution zu machen heißt nicht gleich, sie zu gewinnen. Veränderungen brauchen Zeit. Demokratie in einem Land, das gerade erst eine Diktatur hinter sich gelassen hat, ist ein schrittweiser Aufbauprozess mit allmählicher Veränderung von Mentalitäten.

 

Die Fragen stellte Claudia Buckenmaier.

Source http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/tunesien...

19:46 | Lien permanent | Commentaires (5) | |  Facebook | | |

Commentaires

Bravo compatriote. Je ne comprends pas l'allemand, mais j'imagine que tu as excellé comme d'habitude!

Écrit par : Haykel | 25/10/2012

Haykel, je leur ai donné la photo que tu as prise avec ton nom et prénom, ils semblent avoir omis de la rajouter. Peu importe, merci quand même.

Écrit par : djemâa | 25/10/2012

Votre démonstration est limpide. Ce jeune couple humilié et blessé qui résiste, cette jeune femme qui brise le tabou du silence et mobilise une société entière contre le viol et la répression donne une idée de la révolution en cours. Je ne vois pas dans le passé d'exemple d'une telle prise de conscience. Mais vous le dites aussi, la révolution devra s'attaquer au chômage et à l'injustice sociale. Comment lui manifester sa solidarité?

Écrit par : Karl | 26/10/2012

La Tunisie a donné une leçon sans précédent. Un pays entier qui se solidarise autour d'une femme violée devant son compagnon par des policiers. Ce n'est pas seulement la chair d'une femme qui a été bafouée dans son intimité, c'est un pays entier qui a subi cette violence. Cette situation a cristallisé tous les dangers d'un pays qui sans vigilance pourrait plonger dans l'injustice, la violence, le non respect des gens. A travers ce cas exceptionnel, nous avons pu vérifier que la Révolution était véritablement en marche. Ni silence, ni échine baissée.
Pour ne pas céder aux chants des sirènes des barbus, il faut se souvenir que la Révolution demandait plus de justice, plus de travail, plus de respect, plus d'équité et il s'agit de ne pas oublier les enjeux de la Révolution pour lesquels des gens se sont battus et pour lesquels certains ont payé de leur vie.
Nous ne perdrons pas l'objectif de vue, les Révolutionnaires continueront à être fiers de leur Révolution et ils ne se laisseront pas déposséder de leurs droits et de leur liberté.

Écrit par : djemâa | 26/10/2012

Il est bien connu que les traditionalistes préfèrent regarder dans le passé par peur de l'avenir, parce que, en réalité, ils manquent de vision. Les passéistes sont des trouillards qui tremblent face au monde qui change et qui les enjoints de changer eux-mêmes. Pour cela, il faut du courage, s'extraire de son ignorance et ne pas craindre l'inconnu. Certains préfèrent revenir à des siècles en-arrière plutôt que d'avancer: Quand la poltronnerie épouse l'ignorance, nous assistons à la naissance d'un monstre : la haine !

Écrit par : cedric | 27/10/2012

Les commentaires sont fermés.